04 . Magazin . Max-Ophüls-Preis 2003

Rückblick auf das deutsche Nachwuchs-Filmfestival
Von Romina Neu, Köln
Wie in jedem neuen Jahr zog es Mitte Januar wieder über 20.000 Besucher in die deutsch-französische Grenz-Region nach Saarbrücken, um die neusten Produktionen des deutschsprachigen Filmnachwuchs zu begutachten. Elefantenherz

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Das Filmfestival Max Ophüls Preis, wichtigste Plattform für den deutschsprachigen Filmnachwuchs, ist seit über 20 Jahren eine feste und angesehene Größe in der deutschen Festivallandschaft. Hier sind jedes Jahr aufs Neue die Arbeiten junger Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen.

Das beliebte Festival bietet dem Publikum einen vielseitigen und zugleich fokussierten Blick auf das Filmschaffen des deutschsprachigen Nachwuchses. Und so wurde auch dieses Jahr wieder mehr als deutlich, dass der deutsche Film weitaus lebendiger ist, als es häufig in den Medien dargestellt wird und wir beim Gang in die kommerziellen Kinos vermuten könnten.

Besonders nennenswert waren in diesem Jahr die Wettbewerbsfilme:
Ganz und Gar
Marco Kreuzpaintner
Deutschland 2002, 35mm, Farbe 89min

Ikarus
Bernhard Weirather
Österreich 2002, 35 mm, Farbe, 83 Min.

Der beste Beweis für das aufregende Leben der Lena Schwan sind die bunten Postkarten, die sie ihrer Schwester heim nach Hochleiten schickt - aber tatsächlich hat Lena die weite Welt nur in der Fantasie gesehen. Als sie aus ihrem Tiroler Heimatdorf flüchtete, weil sie die Lebensenge dort nicht mehr ertragen konnte, wollte sie es all denen zeigen, die zurückblieben. Jetzt ist sie Anfang zwanzig und ihre Flucht eine Folge von Niederlagen.
Für jungen Filmemacher/innen stellt die Teilnahme am Max Ophüls Preis einen bedeutenden Schritt auf ihrem beruflichen Weg. dar
Auszeichnungen und Preise in der Kategorie Kurzfilm ebnen den Machern häufig den Weg zu ihrem ersten langen Spielfilm. Die Wettbewerbskategorien Langfilm und Kurzfilm zeigen, was junge Künstler/innen bewegt, mit welchen aktuellen Themen sie sich konfrontiert sehen.

Die Ausgezeichneten >>
Kiki & Tiger
Alain Gsponer
Deutschland/Schweiz 2002, 35 mm, Farbe, 55 Min.

Der Albaner Kiki ist illegal in Deutschland, seit er von den Serben aus seiner Heimat, dem Kosovo, vertrieben wurde. Er versteckt sich bei seinem besten Freund, dem in Deutschland aufgewachsenen Serben Tiger, der, wie er selbst, mit dem nationalistischen Gebaren seiner Landsleute nichts anfangen kann. Kiki und Tiger trotzen jedem äußeren Druck und es scheint, als ob ihre Freundschaft durch nichts zerstört werden könnte.

Kiss and Run
Annette Ernst
Deutschland 2002, 35 mm, Farbe, 88 Min.

Emma ist Schauspielerin, hastet von Casting zu Casting, verdient ihr Geld aber wegen mangelnder Engagements in einer Videothek. Diese soll nun einem Sonnenstudio weichen, wodurch nicht nur sie selbst, sondern auch einige ihrer Stammkunden einen wichtigen Rückzugsort verlieren. Keine guten Bedingungen für Emmas Geburtstag, dem sie mit Schrecken entgegensieht, denn sie wird 25 - steinalt. Höchste Zeit, dass sich in ihrem Leben etwas ändert.
Mein erstes Wunder
Anne Wild
Deutschland 2002, 35 mm, Farbe, 90 Min.

Ein Urlaub an der Ostsee. Hier lernt die elfjährige Dole den über dreißig Jahre älteren Familienvater Hermann kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die von den Angehörigen beider Seiten nicht akzeptiert wird. Als der Urlaub zu Ende ist, steht Dole vor Hermanns Tür, um seine Liebe einzufordern. Auf der gemeinsamen Flucht, verfolgt von Doles Mutter und Hermanns Frau, erleben sie die erste Liebe ihres Lebens.
Wir
Martin Gypkens
Deutschland 2002, 35 mm, Farbe, 100 Min., Uraufführung

Sie stammen aus der gut bürgerlichen Mittelschicht, haben Abitur gemacht und alle Möglichkeiten stehen ihnen offen. Eine Berliner Clique, zehn junge Leute, jeder von ihnen auf der Suche nach den richtigen Lebensentwürfen, dem richtigen Studienfach und natürlich nach Liebe. Nach einem Sommer beginnt ihre Freundschaft zu bröckeln. Sie verlieren einander aus den Augen. Und merken nicht, dass einer von ihnen die Kontrolle verliert.
Über den Wettbewerb hinaus liefen unter dem Reihentitel "Spektrum" neben Erstlingswerken auch Filme von erfahrenen Autoren und Regisseuren. Und so versammelten sich in dieser Reihe eine Fülle von gesellschaftlich und kulturell wichtigen Themen, die stilistisch gesehen ganz verschiedene ästhetische Standpunkte vertraten. Low-Budget-Produktionen waren dabei ebenso vertreten wie Dokumentar- und Spielfilmen, die einen Querschnitt aus bedeutenden deutschsprachigen Produktionen des vergangenen Jahres zeigten.
Besonders nennenswert war in diesem Jahr aus der Reihe "Spektrum" der Film:

"Paule und Julia" von Torsten Löhn
(Deutschland 2002, 35 mm, Farbe, 83 Min.)

Der 15-jährige Paule führt ein wildes Leben auf den Straßen von Berlin. Mit seinem besten Freund, dem 12-jährigen Arnel, der von der Rückkehr in seine bosnische Heimat träumt, stiehlt er in Kaufhäusern und beraubt Passanten in den teuren Einkaufsmeilen. Doch alles ändert sich, als Paule Julia beklaut und sich in sie verliebt. Paule gerät immer tiefer in den Konflikt zwischen realem und erträumtem Leben, der bald in eine Katastrophe führt.
Erzählen Sie doch mal, was Sie tolles in der schönen, bunten Filmwelt so erlebt haben. Wenn Sie selber nie was erleben, aber trotzdem gerne Geschichten erzählen, dann dürfen Sie auch berichten, was anderen tolles passiert ist. Versprochen, das bleibt dann unter uns! Fertige Texte, und viele, kleine Bildchen wären toll. Einfach auf "Es war einmal" klicken.

Übrigens: Auch eine kleine Anekdote von Dreharbeiten, läßt sich ganz groß aufmachen!